Unsere fünfte Säule des Glücks scheint dir womöglich ziemlich offensichtlich zu sein – und du fragst dich vielleicht wieso wir sie überhaupt erwähnen. Wieso sagen wir also nicht einfach, dass Positivität ein wichtiger Faktor deines Glücks ist? Die Frage ist aber eher auf welche Art und Weise positives Denken tatsächlich dein tägliches dein Glücksniveau beeinflusst? Und gibt es da irgendetwas, dass wir tun können, um etwas so grundlegendes wie unsere Persönlichkeit, also die Art und Weise wie wir die Welt betrachten, zu verändern? Lies weiter um mehr darüber zu erfahren…

Positivität heißt nicht den Kopf in den Sand zu stecken

Wenn wir über Positivität sprechen, dann ist uns grundsätzlich wichtig darauf hinzuweisen, dass wir Menschen nicht dazu ermutigen wollen, so zu tun als wären sie glücklich, vor allem nicht wenn sie sich nicht danach fühlen. Im Internet oder in Selbsthilfe Büchern finden sich einige Menschen, welche eine Tugend der Art: „Fake it till you make it – Glückseligkeit“ loben.

Genau dafür gibt es jedoch ebenfalls ein Wort. Toxische Positivität. Wissenschaftliche Forschung sowie klinische Erfahrungen deuten nämlich deutlich darauf hin, dass schwierige bzw. negative Gefühle erst einmal akzeptiert und verarbeitet werden müssen, um sie dann hinter uns zu lassen.

Wie Dr. Marsha immer sagt: Wir müssen es zuerst fühlen bevor wir heilen können.

Wir empfehlen somit auf keinen Fall sich ein breites Grinsen ins Gesicht zu setzen und sich immer wieder zu sagen alles sei in Ordnung. Fühlst du dich also aus irgendwelchen Gründen unwohl, ängstlich, verärgert oder niedergeschlagen, dann setzte dich besser mit diesen Gefühlen auseinander und verarbeite sie. Sie sind einfach nur da, um dir zu zeigen, dass du genau diesem Teil von dir etwas Zeit und Aufmerksamkeit schenken solltest. Unverarbeitete Gefühle verschwinden nicht einfach wenn wir sie ignorieren, sie tauchen dann einfach an anderen Stellen unseres Lebens wieder auf und bereiten Probleme, oft dann, wenn wir sie am wenigsten erwarten. Das Folgende ist zwar ein wenig ein Klischee, aber dafür von enormer Wichtigkeit: Es ist vollkommen in Ordnung, nicht in Ordnung zu sein.

In diesem Sinne ist eine positive Einstellung zum Leben eines der mächtigsten Werkzeuge, welches wir entwickeln können, um unser Streben nach täglichem Glück zu verbessern.

Wie macht Positivität uns denn nun glücklicher?

Wie bereits erwähnt, ist es keine große Überraschung, dass Menschen mit einer positiven, optimistischen Einstellung zum Leben sich glücklicher fühlen, als diejenigen mit einer negativen Sichtweise. Bist du damit beschäftigt optimistisch und hoffnungsvoll zu sein, dann ist es viel unwahrscheinlicher, dass du von der Art von negativem Denken heruntergezogen wirst, welche schlussendlich auch zu Traurigkeit und Depressionen führen. An dem alten Song: „When you’re smiling, the whole world smiles with you“ ist also viel Wahres. 

Es hat sich somit gezeigt, dass positives Denken durchaus auch einen positiven Einfluss auf weniger offensichtliche Bereiche unseres Lebens hat.

Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass es eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit hat. Positives Denken wirkt sich somit nachweislich positiv auf unser Immunsystem aus. Es hilft uns dabei schneller von Krankheiten zu erholen und hilft uns sogar dabei besser zu lernen. Dies sind alles Dinge und Phänomene, welche das Glücksbarometer in die richtige Richtung lenken.

Negativitäts Vorurteil

Wenn also Positivität und Optimismus so gut und wertvoll für uns sind, was hält uns denn dann bitte davon ab uns ständig so zu fühlen? Und um dies näher zu erläutern nehmen wir dich mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Viele der alltäglichen Verhaltensweisen und Denkmustern, die für uns als Menschen selbstverständlich sind und die wir ohne weiteres nachdenken ausführen, sind das Ergebnis einer jahrtausend langen natürlichen Selektion. Diejenigen Menschen, die von ihren negativen Erfahrungen stark beeinflusst waren und überall eine Gefahr, wie beispielsweise überall bedrohende wilde Tiere sahen, waren tendenziell diejenigen, welche lang genug überlebten und ihre Gene dadurch weitergeben konnten. Bei ihren entspannten Höhlen-Kameraden dagegen kam es jedoch öfters mal vor, dass sie verschlungen wurden. Im Grunde ist es somit ein evolutionärer Vorteil in Situationen das Schlechte zu suchen und dafür zu sorgen, dass das Schlechte was uns selbst, beziehungsweise unseren Mitmenschen widerfährt, einen überproportional großen Einfluss auf uns hat. Wissenschaftler nennen diesen Effekt das sogenannten „Negativität-Vorurteil“. Dieser ist so stark, sodass es für uns bedeutet, dass wir in unserem alltäglichen Leben drei positive Erfahrungen benötigen, um jeder negativen Erfahrung entgegenzuwirken.

Der Tetris Effekt

Der Tetris Effekt

Glücklicherweise sind diese lebensbedrohlichen Gefahren heutzutage nicht mehr ganz so vertreten. Der Negativitäts-Vorurteil, der für unsere Vorfahren sehr gut funktionierte und sie am Leben hielt, ist in der heutigen Welt weitgehend überflüssig geworden. Er stellt nun hauptsächlich nur noch ein Hindernis für unser Glück dar. Glücklicherweise gibt es für uns einen anderen Effekt, den wir nutzen können, um uns gegen das Negativitäts-Vorurteil zu wehren. Der sogenannte „Tetris-Effekt„. Als also Wissenschaftler untersuchten, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir Tetris spielen, fanden sie heraus, dass bei Wiederholung von immer denselben Gedankenmustern, diese Gedanken immer weniger anstrengend für das Gehirn werden, um sie auszuführen. Sie werden sozusagen immer automatischer. Studien zeigten außerdem, dass sich während des Experiments tatsächlich Veränderungen in der grauen Substanz zeigten. Wenn also Tetris dein Gehirn verändern kann und bestimmte Aufgaben damit leichter von der Hand gehen und automatischer werden, stell dir dann mal vor was das Wiederholen von Übungen, welche bei dir eine positive Einstellung fördern, für dich tun kann.

Dankbarkeitsübungen erhöhen deine Positivität

Einer der besten Wege Positivität zu üben, ist durch Dankbarkeitsübungen. Indem du dich nun einmal am Tag hinzusetzt und all die Dinge niederzuschreibst wofür du dankbar bist, programmierst du dein Gehirn in dem Sinne um, dass dir in Zukunft noch mehr gute Dinge einfallen, über die du dich freuen kannst. Wenn du am Anfang Schwierigkeiten hast dir Dinge einfallen zu lassen wofür du dankbar bist, dann mach dir erstmal keine Sorgen. Allein der Versuch sich etwas einfallen zu lassen wofür du dankbar bist, reicht schon aus, um dein Gehirn zu verändern. Die Dinge werden von Zeit zu Zeit natürlicher. Genauso wie das Verschieben der kleinen Blöcke auf dem Bildschirm, wenn du Tetris spielst.

3 glückliche Dinge

Der heilige Gral, damit es funktioniert, ist die Wiederholung. Die schlichte Gewohnheit ein Tagebuch zu führen ist somit eine echte Hilfe, um Dankbarkeit zu üben. Dies ist jedoch nicht der einzige Weg. Ich wende beispielsweise jeden Abend ein kleines Spiel an, um mit meinem Partner sowie meinen Kindern am Esstisch Dankbarkeit zu üben. (Sie wissen aber nicht dass wir es aus diesem Grund tun). Abwechselnd nennen wir jeweils drei Dinge, welche uns an diesem Tag glücklich gemacht haben. Für uns alle ist dies von Zeit zu Zeit immer einfacher und automatischer geworden je öfter wir spielten. Mit der Ausnahme meines Zweijährigen, dessen Antwort stets „Kacka“ lautet.

 Tägliches Shout-out

Ein weitere großartiger Dankbarkeits-„Life Hack“ ist ein täglicher „Shout-out“. Mach es dir jeden Tag zur Gewohnheit jemanden, der dir etwas Gutes getan hat, eine Dankbarkeit Nachricht zu senden. Dabei muss es gar nicht um eine große Sache gehen. Schickst du beispielsweise lieber eine Karte oder ein Geschenk? Dann wollen wir dich davon natürlich auch nicht abhalten. Eine einfache kleine Textnachricht, in welcher du Danke sagst, reicht völlig aus, um dich sowie deinem Empfänger glücklich zu machen.

Taten der Freundlichkeit

Kannst du dich daran erinnern, als du das letzte Mal einem Fremden geholfen hast? Erinnerst du dich an das gute Gefühl, das es dir in deiner Brust gegeben hat, nachdem dir ein Lächeln geschenkt wurde und man dir von ganzem Herzen gedankt hat? Hattest du dabei das Gefühl dass das Leben gar nicht so schlecht ist und die Menschen im Großen und Ganzen doch ganz in Ordnung sind? Würdest du dieses Gefühl gerne öfters fühlen? Dann sag einfach ja zu mehr zufälligen Taten der Dankbarkeit. Es ist nämlich erwiesen, dass man sich dadurch selbst positiver fühlt. Die neuesten Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass diese Taten der Dankbarkeit, je häufiger man sie tut, zur Routine werden und sie dadurch aber auch an emotionaler Wirkung verlieren. Einmal pro Woche ist genug.

Affirmation

Schlussendlich haben sich ebenso Affirmationen als extrem nützlich erwiesen, um negative Gedankenmuster in positive zu verwandeln. Einfach positive Affirmationen  über uns selbst schlichtweg zu wiederholen bis wir sie schlussendlich glauben, mag zunächst einmal ein wenig nach Wunschdenken klingen. Nachforschungen sprechen aber dafür, dass dies auch wirklich funktioniert. Damit Affirmationen jedoch den gewünschten Effekt erreichen ist ein gesundes Maß an Selbstwertgefühl gefragt. Wissenschaftler, die Affirmationen in Leuten mit geringen Selbstwertgefühl untersuchten, fanden nämlich heraus, dass sie den gegenteiligen Effekt haben. Grundsätzlich funktionieren Affirmationen nur, wenn wir auch wirklich daran glauben. Dies bringt uns wieder zurück zu unseren Anfangspunkt.

Positivität ist sozusagen eine mentale Superkraft und hat damit einen wohlverdienten Platz in unseren sieben Säulen des Glücks verdient. Sie sollte jedoch auf einer starken Grundlage beruhen. Fütterst du dich also mit falschen positiven Gedanken, obwohl du dich innerlich überhaupt nicht so fühlst, wirst du den gegenteiligen Effekt erreichen, den du eigentlich wolltest.

Weitere Übungen zum Thema Resilienz oder Selbsterkenntnis, findest du in der Mindshine App (iOS or Android). Mit deinem persönlichen Happiness Coach, kann jeder Tag ein kleines bisschen besser werden. Geh raus in die Welt und sei liebevoller zu dir und zu anderen. Versprochen, es wird auch dich so richtig erfüllen.